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Kolja Frey im Interview

1.Persönliche Angaben

Vater: Kolja Frey, 30 Jahre, Dr. phil. (Lehramt für die Sek. II)

Stelle:  Lehrer für die Fächer Deutsch und Geschichte an der IGS Peine-Vöhrum

Familie: Verheiratet (mit der Mutter des Kindes), ein Kind: Alexis (drei Jahre; Kinder­garten)

2. Konkrete Beteiligung an Kindererziehung/-betreuung

Zeit:    Ab der Geburt war ich als Vater präsent. Die ersten Tage war ich im Eltern­-

zimmer der Klinik für meine Frau und unseren Sohn da, danach dann zu Hause. Dafür habe ich meine Promotion für ein halbes Jahr unterbrochen und bin in Elternzeit gegangen. Meine Frau und ich haben uns danach die Kinderbetreuung geteilt und später übernahm noch eine Tagesmutter unseren Sohn für einige Stunden. Unser Sohn geht mittlerweile ganztags in den Kindergarten. Nun bin ich vor allem abends (und unser Sohn ist seeehr lange wach), am Wochenende und in den Ferien für meinen Sohn da. Wenn er krank ist bleibe ich selbstverständlich auch zu Hause. Meistens bringe ich unseren Sohn in den Kindergarten und hole ihn wieder ab.

Aufgaben: Ich habe von Anfang an alle Aufgaben gemacht (Flasche geben, in den

Schlaf wiegen, Windeln wechseln, An- und Ausziehen, Baden, Vorsingen, spazieren gehen etc.). Es folgten Babymassage und ­schwimmen, Tierpark­besuche und viele, viele Ausflüge...

3.  Konkrete Beteiligung an Haushaltstätigkeiten

Zeit:    Ich erledige den Großteil des Haushalts. In der Woche sind das bestimmt 7-8 Stunden.Aufgaben: Ich mache alles vom Waschen über den Müll, bis hin zu Einkaufen, Kochen,Putzen etc. Vor allem Waschen und Putzen sind meine Aufgaben. Meine Frau kocht dafür häufiger.

4.  Über die Mutter

Unser Sohn kam in den Semesterferien auf die Welt. Meine Frau studierte zu der Zeit noch. Fünf Wochen nach der Geburt ist sie dann wieder – pünktlich zu Semesterbeginn – in die Uni gegangen. Zweieinhalb Tage studierte sie und zweieinhalb Tage betreute sie unseren Sohn mit. Nach dem ersten Jahr fingen ihre Prüfungen und die Magister­arbeit an und zeitgleich hatte sie die Chance auf zwei ganz spannende Nebenjobs. Sie hat dann fast ein ganzes Jahr sehr viel gearbeitet und gelernt. Dass sie am Wochen­ende und bis nachts gearbeitet/gelernt hat, war nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Direkt im Anschluss an ihr Studium trat sie ihre Stelle an der Leibniz Universität Hannover im Gleichstellungs­büro an. Sie hat eine halbe Stelle und ist 1 Jahr lang zwischen Fuldatal (bei Kassel) und Hannover gependelt. Sie fuhr einige Zeit mit dem Auto und übernachtete auswärts. So war sie 2 Tage komplett außer Haus, aber dafür an den anderen Tagen da.

 

5.  Was war Ihre Motivation, sich aktiv an der Kindererziehung und –betreuung zu beteiligen?

Ich wollte mein Kind aufwachsen sehen und seine Erziehung mitprägen. Außerdem war mir eine gleichberechtigte Aufgabenteilung mit meiner Frau sehr wichtig.    

6.  Gibt es Hürden und besondere Herausforderungen bei der Ausübung aktiver Vaterschaft?

Es gibt mehrere Hindernisse wie z.B. manche Erwartungen des persönlichen Umfeldes oder im Beruf. Viele denken auch heute noch traditionell oder legen Maßstäbe des früheren Single-Daseins an. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade männliche Kollegen, die selber eine sehr traditionelle Partnerschaft führen, oft kaum Verständnis dafür haben, dass ein junger Vater immer wieder darauf verweist, dass er z.B. zu einem Abendterminen nicht kommen kann oder um 16 Uhr zum Kindergarten muss.

7.  Welche positiven Erfahrungen haben Sie gemacht?

Man baut eine intensive persönliche Beziehung zu seinem Kind auf, was später wahrscheinlich so in der Art nur noch schwer möglich ist. Sich innerhalb der Partnerschaft die Kindererziehung zu teilen macht die Elternschaft stärker zu einem gemeinsamen Erlebnis. Und wenn beiden Elternteilen die Betreuung möglich ist, dann steigert das auch die Flexibilität. Ist einer von beiden krank oder braucht mal dringend ein paar ruhige Stunden, kann der andere einspringen.

8.  Haben Sie Anregungen und Wünsche an Politik und Arbeitgeber zur Verbesserung derSituation aktiver Väter und zum Abbau von Hürden auf dem Weg zur aktiven Vater­schaft?

Die rechtliche Situation sollte weiter gestärkt werden sowie die Aufklärungsarbeit speziell in Führungsebenen intensiviert werden.

9.  Haben Sie Empfehlungen oder Tipps für andere (werdende) Väter?

Ich würde empfehlen, parallel zur Partnerin Elternzeit zu nehmen, um sich zu Hause gegenseitig unterstützen zu können. Zudem bietet dies den Vorteil, dass das Kind vom ersten Tag an beide Elternteile als Bezugspersonen erfährt. Für eine spätere Gestaltung der Fürsorgearbeit kann dies sehr erleichternd sein, und man „übersteht“ die Belastungen der ersten Wochen und Monate besser zu Zweit und hat auch Zeit, das Elternsein zu genießen.

Als ich einen Abendtermin absagen musste, um auf unseren Sohn aufzupassen, blieb ein Vor­gesetzter sehr hartnäckig, obwohl es lediglich um ein geselliges Beisammensein ging. Er ver­wies auf meine Frau, die sich kümmern sollte. Ich bin dann also doch zu dem Termin hin. Mei­nen Sohn nahm ich allerdings mit. Nach diesem Abend hatte ich den Eindruck, dass diese kleine praktische „Vorführung“ meines Dilemmas mehr Verständnis für aktive moderne Vater­­schaft bewirkt hat, als es durch lange Erklärungen möglich war. Vielleicht ist dieser Lebensentwurf manchen so fremd, dass sie nicht nur davon hören, sondern es auch mal erleb­en müssen.

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